Wer Microsoft SharePoint im eigenen Unternehmen betreibt – also nicht in der Microsoft-Cloud, sondern auf eigenen Servern –, sollte jetzt sofort handeln: Mehrere schwerwiegende Sicherheitslücken werden laut der US-Behörde CISA bereits aktiv von Angreifern ausgenutzt. Für lokale Installationen gilt eine dringende Empfehlung, die notwendigen Patches spätestens bis zum 12. August 2026 einzuspielen.
Was ist passiert?
Am 14. Juli 2026 veröffentlichte Microsoft einen außergewöhnlich umfangreichen Sicherheits-Update-Tag (den sogenannten „Patch Tuesday“) mit insgesamt 642 geschlossenen Schwachstellen – einem neuen Rekord. Besonders brisant: 17 dieser Lücken betreffen SharePoint Server, davon mehrere mit der höchsten Gefährlichkeitsstufe.
Die kritischste Lücke trägt den Code CVE-2026-58644 und erreicht einen CVSS-Score von 9,8 von 10 – die Skala, mit der Sicherheitsforscher den Schweregrad einer Lücke messen. Über einen Programmierfehler bei der Datenverarbeitung (sogenannte „Deserialisierung“) können Angreifer, die bereits SharePoint-Berechtigungen auf Verwaltungsebene besitzen, beliebigen Code auf dem Server ausführen. Das bedeutet: vollständige Kontrolle über das betroffene System. Eine zweite Lücke (CVE-2026-55040, CVSS 9,1) wird einer organisierten Angreifergruppe namens Storm-2603 zugeordnet und betrifft SharePoint Server in den Versionen 2016, 2019 und Subscription Edition.
Darüber hinaus gibt es drei weitere Lücken, über die Angreifer sogenannte IIS-Machine-Keys stehlen können – interne Schlüssel, mit denen Windows-Server Sitzungen absichern. Wer diese Schlüssel hat, kann sich langfristig unentdeckt im Netzwerk bewegen, selbst wenn die ursprünglichen Lücken später geschlossen werden.
Als Zero-Day-Lücke (also bereits bekannt und angegriffen, bevor Microsoft einen Fix hatte) wurde außerdem CVE-2026-56164 eingestuft – eine Schwachstelle, die Angreifern ermöglicht, ihre Rechte im System auszuweiten.
Wer ist betroffen?
Betroffen sind ausschließlich Unternehmen, die SharePoint Server lokal (on-premises) betreiben – also auf eigener Hardware oder in einem eigenen Rechenzentrum. Wer SharePoint ausschließlich über Microsoft 365 (die Cloud-Variante) nutzt, ist nicht direkt betroffen, da Microsoft dort die Updates selbst einspielt. Im Mittelstand ist der Eigenbetrieb von SharePoint aber weit verbreitet, insbesondere als Intranet, Dokumentenablage oder Projektplattform.
Was jetzt zu tun ist
- Sofort prüfen: Läuft in Ihrem Unternehmen SharePoint Server lokal? Wenn ja, welche Version (2016, 2019 oder Subscription Edition)?
- Updates einspielen: Die Sicherheitsupdates vom 14. Juli 2026 müssen umgehend installiert werden – Zieldatum ist spätestens der 12. August 2026. Für US-Behörden galt die Frist bereits am 19. Juli.
- Machine-Keys erneuern: Weil Angreifer diese Schlüssel bereits gestohlen haben könnten, empfiehlt es sich, die IIS-Machine-Keys nach dem Patchen neu zu generieren und ungültig zu machen.
- Protokolle prüfen: Untersuchen Sie die Server-Protokolle (Logs) auf ungewöhnliche Zugriffsversuche, insbesondere rund um SharePoint-Verwaltungskonten.
- Gesamten Patchstand überprüfen: Der Patchday betraf auch Active Directory Federation Services, Windows BitLocker sowie SAP-Systeme (NetWeaver, Commerce Cloud). Nutzen Sie den Anlass für eine vollständige Update-Prüfung Ihrer Server-Infrastruktur.
Wie wir helfen
Chiemtec unterstützt Sie dabei, den Patchstand Ihrer Server-Infrastruktur zu prüfen, ausstehende Updates strukturiert einzuspielen und Ihre SharePoint-Umgebung auf Anzeichen einer bereits erfolgten Kompromittierung zu untersuchen. Sprechen Sie uns an – die Frist läuft.